Bozo lebte auf einem Bauernhof. Dort lebten auch die Tiere. Die Tiere wohnten im Stall, die Menschen wohnten im Haus.
Ruby ist ein Tier. Aber mit einer Besonderheit. Sie lebt im Haus. Ruby ist ein Hund.
Kein gewöhnlicher Hund. Ruby ist ein fliegender Hund. Aber darüber mehr ein anderes Mal. Heute hat Bozo Ruby unendlich lieb. Weil sie ihn vollgesabbert hat.
Ihr wisst ja, wie das ist, wenn dich ein Hund ansabbert. Man würde meinen, der Hund knabbert Kleber. Den Sabber wird man überhaupt nicht los. Du nimmst ihn mit den Fingern und er klebt dir an den Fingern. Dann wischt du dich mit der Handfläche ab, die Finger sauber, der Sabber auf der Handfläche. Und so weiter, bis du eine Buche mit schöner Rinde findest und dich daran abwischst. Ruby könnte all diese Unannehmlichkeiten überspringen und sich an der Buche abwischen. Aber nein! Bozo ist viel besser zum Sabberabwischen. So denkt Ruby.
Und wie ist es möglich, dass Bozo so froh ist, weil er wieder klebrig ist? Na, hören wir zu.
An diesem Tag ging alles schief. Ata kam schlecht gelaunt von der Arbeit. Chef. Mama kam schlecht gelaunt von der Arbeit. Kunden. Bozo kam schlecht gelaunt aus dem Kindergarten. Wer denn sonst? Der Hausmeister.
So kamen sie heim und aßen schweigend zu Mittag. Dann sagt Ata: Bozo, jetzt räum den Tisch ab. Du bist alt genug, dass du Mama helfen kannst. Bozo aber denkt sich. Du bist noch älter, du hilf. Aber manchmal denkt ein Mensch laut. Und das ist nicht gut. Auch heute war es so. Ata wurde rot, Mama riss die Augen weit auf. Ruby streckte sich nur.
Ohhh. Ein Hundeleben. Ruby hat ein weiches Bettchen in der Küche. Nahe beim Herd. Ihr Bettchen ist so groß, dass manchmal, wenn er so müde ist und so dreckig, ihr wisst schon, wenn ein Mensch unter die Dusche müsste, aber der Gedanke an Wasser unangenehm ist ... Bozo zu Ruby hineinkriecht. Ruby hebt nur die Pfote und deckt Bozo zu. Ein Junges mehr oder weniger. Mama schreit natürlich. Flöhe, Zecken, Dreck, .... Bozo aber würde sich so gerne an Ruby drücken.
Ruby kann Menschen nicht verstehen. Hunde sehen nur schwarz-weiß-grau. Oder blau-hell. Du machst die Augen auf – Tag oder Nacht. Wenn es Futter gibt, und Wasser, und warm ist ... was streiten sie so viel. Und wieder. Ata schreit, dass er den ganzen Tag arbeitet. Mama sagt, sie auch. Bozo aber ist z’amm. Wissen die zwei nicht, dass der Hausmeister furchtbar anstrengend ist. Dass man immer prüfen muss, wo er ist, und wo Tante Jožica ist, nein Pardon Lehrerin Jožica? Was wissen die überhaupt von der Welt? Gar nichts. Ruby kann Menschen natürlich wörtlich nicht verstehen. Sie spricht keine Menschensprache. Sie hört aber Zorn und sieht Schmollen. Ihr ist alles klar. Aber die Welt ist so einfach. Gibt es Futter? Gibt es. Gibt es Wasser? Gibt es. Ist es warm? Ist es. Wasdenndann?
Ata sagt – Bozo schlafen! Ungerechtigkeit. Draußen ist es noch hell. Und gerade so eine feine Gabelrute hat er sich angeschaut. Für eine Schleuder. Aber jetzt wird Ata sicher verbieten, dass Bozo die Säge benutzt, und auch er selbst wird sie nicht absägen wollen. Ungerechtigkeit. Fünf Jahre ist nur eine Zahl. Bozo fühlt sich, als wäre er mindestens neun! Vielleicht sogar zehn!
Bozos Zimmer ist alt und klein und in die Ecke des Erdgeschosses des Hauses gedrückt. Es hat ein Bett, einen alten Schrank und ein Nachtkästchen mit einem Lämpchen. Es hat auch ein Fenster, das auf den Hof schaut. Auf der Außenseite des Fensters ist ein alter Stock. Bozo kann auf das Fensterbrett klettern, sich hinüberschwingen und mit den Zehen den Stock berühren. Dann kann er sich hinunterlassen. Aber manchmal verfehlt er den Stock mit dem anderen Fuß und dann plumpst er, so lang und breit wie er ist, ins Gras. Und er sieht alle Sterne, Vögelchen und vielleicht noch eine Hummel dazu.
Bozo ist wütend. In ein Bündel wirft er einen Pullover, Unterhosen (weil ein Mensch nie weiß, wann er frische braucht), Socken, eine Schnur und ein Stück Brot, das ihm vom gestrigen Abendessen übrig geblieben ist. Gut, dass er für Hygiene nach Bozo-Art sorgt und nicht nach Mamas Art. Er klettert durchs Fenster. Jetzt wird er davonlaufen. Es wird ihnen noch leid tun! Wenn er groß und stark und reich ist, kommt er zurück und schleudert ihnen entgegen ...
Dann geht er weg. Über den Hof, am Stall vorbei. Und da: mäh mäh. Ein Zicklein! Ferdo! Na, jetzt schon der Bock Ferdinand, aber ... Als Bozo drei Jahre alt war, wurde ein kleines Zicklein geboren. Ata wollte es verkaufen ... aber Bozo weinte und weinte und weinte und erweinte Ferdo. Jetzt sind sie Freunde. Ferdo ist ein zweijähriger Bock, der auf der Welt am meisten genießt, wenn er mit seinen Hörnern irgendwo dagegenstoßen kann. Aber nicht gegen Bozo. Nein nein.
Er nimmt ihn mit. Um den Hals legt er ihm ein Seil und sie gehen geradewegs die Straße entlang. Mit Ferdo ist er sicher. Vor Ferdo fürchten sich alle. Die Straße biegt bald in den Wald ab und Bozo nimmt die Abkürzung. Der Steig wird immer nasser und nasser, die Bäume dunkel und bedrohlich. Bozo setzt sich, wickelt sich das Seil um die Hand und denkt nach. Über dies und jenes, jenes und dies, die Augen aber schwerer und schwerer. Plötzlich wacht er auf. Dunkelheit. Wo bin ich denn überhaupt? Was, wenn ein Wolf kommt? Oder ein Bär? Oder eine 100-kg-Sau? Er drückt Ferdo an sich und beginnt vor Angst zu zittern.
So schläft er wieder ein und träumt, dass es regnet. Tropf tropf tropf tropft es ihm ins Gesicht. Er öffnet die Augen und sieht – Ruby. Ihre braunen Augen, die riesige Schnauze. Riesige Ohren. Ruby ist die beste, größte und schönste Deutsche Dogge, die es gibt. Und jetzt ist sie bei ihm. Was Ferdo, Ruby ist der Hammer. Wenn Ruby die Pfoten auf Atas Schultern legt, ist sie größer als er.
Ruby geht weg, und Bozo hinter ihr her. Sie gehen und gehen, und bald sind sie zu Hause.
Mama weint im Zimmer. Ata telefoniert. Er ist ganz dreckig, weil er über eine Wurzel gefallen ist, als er Bozo gesucht hat. Und dann ... dann ... tritt Ruby durch die Tür, hinter ihr aber Bozo. Ferdo bleibt draußen.
Der Streit ist vergessen, alle umarmen sich. Menschen.
Und Ruby – sie dreht sich zu ihren Menschen und denkt: wie komisch sie sind. Dann rollt sie sich auf ihrem großen Bett zusammen. Sie denkt noch – wie dieser Ferdo stinkt. Gut, dass er mit dem Kleinen gegangen ist. Gut, dass sie durch das Loch gegangen sind und sie ihm nachgegangen ist. Und gut, dass das Abendessen auf sie wartet. Alles ist in Ordnung. Das Dach ist nicht löchrig. Wasser ist da. Futter ist da. Und warm ist es.